Urlaubsgeld für ganz bestimmte Tage?

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Menstruation Tampon

Bezahlter Menstruations Urlaub für Frauen? Millionen Frauen haben während der Periode Probleme, ihren Berufsalltag zu meistern. Bezahlter Menstruationsurlaub ist in asiatischen Ländern seit Jahrzehnten Praxis. Nun haben Politikerinnen aus Italien einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt. Doch nicht alle Frauen begrüßen die Initiative. Viele befürchten einen Schritt weg von der Gleichberechtigung und weitere Nachteile auf dem Arbeitsmarkt.

Menstruationsurlaub – Andere Länder andere Sitten

In Japan dürfen Frauen seit 1947 einen freien Tag während ihrer Periode nehmen, in Indonesien zwei und in Singapur sogar drei Tage. Der britische Gynäkologieprofessor Gedis Grudzinskas hatte bereits im Jahr 2014 vorgeschlagen, dass europäische Frauen ebenfalls das Recht auf bezahlten Menstruationsurlaub erhalten sollte. Drei Krankheitstage im Monat könnten dazu beitragen, Arbeitnehmerinnen zu entlasten und ihre Motivation für den Beruf beizubehalten. Es scheint nun, als ob Italien als erstes europäisches Land diesen Empfehlungen folgt. Denn Ende März 2017 wurde im Parlament ein Gesetzesentwurf eingebracht, der drei Tage Urlaub pro Monat für Frauen mit Menstruationsbeschwerden vorsieht. Leidet eine Frau während ihrer Periode an starken Schmerzen, soll ihr unter der Vorlage eines ärztlichen Attestes monatlich Menstruationsurlaub gewährt werden.

Menstruationsgesetz könnte nicht nur positive Folgen haben

Laut einem Bericht der Tageszeitung Il Messaggero würden zwischen 60 und 90 Prozent der Italienerinnen während ihrer Periode unter Migräne sowie starken Bauch- und Rückenschmerzen leiden. Rund ein Drittel der Frauen müssten aufgrund ihrer Beschwerden zu Hause bleiben. Doch die Meinungen zum Menstruationsurlaub gehen auseinander. Während die Betroffenen die genehmigte Schonzeit begrüßen, gibt es auch kritische Stimmen. Vertreter beider Geschlechter mahnen an, dass drei freie Tage im Monat sich negativ auf Jobchancen auswirken könnten. Frauen würden für Arbeitgeber somit teurer und unattraktiver werden. Genau das war aber nicht die Intention der vier Abgeordneten der Demokratischen Partei Romina Mura, Daniela Sbrollini, Maria Iacono und Simonetta Rubinato, die den Gesetzesentwurf ins Parlament eingebracht hatten. Während in der EU rund 72 Prozent der Frauen erwerbstätig sind, stehen nur knapp 61 Prozent der Italienerinnen in einem Beschäftigungsverhältnis. Die Begründung der Politikerinnen war daher, dass der Menstruationsurlaub es für Frauen leichter mache, am Arbeitsleben teilzunehmen.

Ärzte und Frauenrechtlerinnen dagegen

Auch Gynäkologen sind mit solchen Vorstößen nicht unbedingt einverstanden. Es sei viel wichtiger, die Ursachen hinter Menstruationsbeschwerden zu diagnostizieren. Statt in den Menstruationsurlaub zu gehen, sollten die Frauen sich lieber behandeln lassen. Meist seien Regelschmerzen sehr einfach medizinisch in den Griff zu bekommen, doch manchmal stecke hinter den Schmerzen jedoch eine ernsthafte Erkrankung, sagt die Frauenärztin Barbara Niederer-Bauer. Vertreterinnen der Frauenbewegung stehen dem Menstruationsurlaub ebenfalls kritisch gegenüber. Eine gesetzlich verankerte Auszeit während der Periode würde dem Kampf um Gleichberechtigung einen Bärendienst erweisen. Ein normaler biologischer Vorgang rücke eine vermeintliche Schwachstelle von Frauen in den Mittelpunkt, meint Feministin Amanda Ruf. Das führe dazu, dass Arbeitgeber wieder verstärkt zwischen Mann und Frau bei der Stellenvergabe unterscheiden würden, erklärt sie weiter.

Menstruationsurlaub kaum genutzt

Der Menstruationsurlaub kann für Frauen mit Schmerzen ein Segen sein. Doch für die meisten Frauen reicht die Möglichkeit eines Krankenscheines an den Tagen aus. Kritikerinnen weisen zudem darauf hin, dass Zahlen aus Asien belegen, dass der Menstruationsurlaub nur wenig genutzt werde, da die meisten Frauen Angst um ihren Arbeitsplatz hätten.

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